*Ping*

Juli 17, 2008

Nein… das ist leider nicht wie versprochen die Fortsetzung meines kleinen Berichts über die Arbeit bei Siemens. Da mein Leben in den letzten Wochen ziemlich durchgeschüttelt wurde, hat Siemens vorerst noch mal Glück gehabt, denn ich hatte wenig Muse um am Blog weiter zu schreiben.

Aber ich bin noch voll am Leben, und hab mich erst mal Hals über Kopf in jede Menge Action gestürzt. Inzwischen war ich in:

1. Washington DC
und habe dort vor dem Weißen Haus gegen Bush demonstriert! Wie sich das für jeden anständigen Links orientierten Studenten gehört. Jawoll JA!

2. Boston
Dort bin ich auf dem Freedom Trail gewandelt, und habe die Geschichte der amerikanischen Unabhängigkeit hautnah nachvollzogen. Und ja, in Ordnung, sie haben mich davon überzeugt, dass es Abschnitte in der Geschichte dieses Landes gibt, auf die man zurecht Stolz sein kann…. aber… so Stolz? Vor allem die Verehrung der frühen Präsidenten ähnelt hier meiner Meinung nach teilweise schon fast eher Vergötterung. Hätte ich nicht gewusst wo ich war, hätte ich gedacht ich sei auf der Akropolis und Zeus schaut auf mich herab…


(Washington DC: Lincoln Memorial)

3. Cambridge (bei Boston)
Dort befindet sich die weltberühmte Harvard University. Der Hof war ja ganz nett, aber für 300.000 Dollar pro Semester hatte ich irgendwie mehr erwartet. Der Campus der FU ist auch nett… für 0 Dollar pro Semester (auf dass es so bleibe!!). Und ich muss ihn mir nicht mit mehreren hundert lärmenden Touristen teilen, die jeden Morgen in Bussen ankommen um meine Uni zu besichtigen. In diesem Sinne: Mitleid mit den armen Harvard Studis, und ein Hoch auf die FU. Harvard mag berühmt und anerkannt sein, und die Lehre dort Weltklasse… aber meine FU… die ROCKT einfach :P
Viel interessanter und beeindruckender war da schon das MIT. Für Unwissende: das „Massachusetts Institute of Technology“, eine der führenden und besten Universitäten für Forschung und Entwicklung im Hightech Bereich.
Zugegeben, auf den ersten Blick war das MIT lediglich beeindruckend hässlich. Der Großteil vom MIT sieht aus wie eine heruntergekommene Plattenbausiedlung in Marzahn. Aber das Innenleben ist der Wahnsinn. Endlose Labore, Rechenzentren und Werkstätten. Alles vom Feinsten. Ich glaube es gibt nichts, dass man dort nicht bauen oder zumindest Prototypen könnte. Über Supercomputer, Robotter, Autos, Schiffe und Flugzeuge. Gebaut haben die davon schon alles. Nicht umsonst gingen bisher über 50 Nobelpreise und zahllose weitere Forschungsauszeichnungen an Studierende vom MIT. Diese Universität hat mich begeistert. Wenn ich noch einmal die Chance hätte zu studieren, würde ich alles dafür geben ans MIT gehen zu dürfen… irgendwie. Ok ok, ich hör ja schon auf… aber man wird ja nochmal träumen dürfen :)

4. NYC: Bon Jovi
Zur „Entspannung“ bin ich dann am Samstag mal wieder „nur bis nach New York“ gefahren und habe mit ~100.000 anderen Irren dicht gedrängt im Central Park dem kostenlosen Abschlusskonzert von Bon Jovi’s Welttournee gelauscht. Es wars wert.
Nach dem Konzert sind wir dann noch durch die „Stadt-die-niemals-schläft-in-der-um-2:00-aber-alles-zu-macht“ gezogen. Man sollte es nicht glauben, aber selbst in der 12 Millionen Stadt New York, direkt in Zentrum von Manhattan, machen selbst am Wochenende um 02:00 Uhr einige Bars gnadenlos dicht. Egal wie voll der Laden grad ist, man wird aufgefordert seinen Drink zu beenden und zu gehen. Musik aus, helles Licht an, und Rausschmiss. Ist uns zwei Mal passiert. Die kennen da nix. Draußen sitzen ist sogar noch schwieriger. Ab 12:00 Uhr ist das wohl nicht mehr überall zulässig, so dass viele der netten Bars dann nur noch Plätze drinnen anbieten.
Aber wir haben uns nicht unterkriegen lassen, und uns trotzdem wacker von einer Bar in die nächste geschlagen, bis ichs dann zur sportlichen Zeit von 6:30 Uhr morgens in mein Bett zurück geschafft hatte.

5. Kommendes Wochenende
will ich ganz in den Süden von New Jersey fahren und dort Wale beobachten. Angeblich ist dafür gerade DIE Zeit, und es gibt viele kleine Bootsunternehmen die Touren für das sogenannte „Whale Watching“ anbieten. Mit etwas Glück kann ich also vielleicht ein Foto vom berühmten „springenden Wal“ machen :) .

So long, euer David.


(Abend in Boston am Charles River)


New York, Rio, Tokio…

Juni 13, 2008

Objective complete: Erstes Drittel erfolgreich abgeschlossen ;)

Heute war es endlich soweit: Der erste richtige Tag New York. CDS International, die Organisation über die ich mein Visum erhalten habe, hat alle Neuankömmlinge für heute (10.06.) nach New York zu einem Orientierungsmeeting eingeladen. Das beste an der ganzen Sache ist, dass wir dafür von Siemens den ganzen Tag frei bekommen haben *GGG*.

Also ging es früh am Morgen los. Unser Zug ging um 8:01 Uhr von Princeton aus. Kurz nach 9:00 Uhr waren wir dann mitten drin. New York City Penn Station. CDS International hat seinen Sitz am United Nations Plaza, direkt gegenüber von den Vereinten Nationen.

Riesige Wolkenkratzer wo hin man schaut. Die Gebäude sind so hoch, dass unten auf der Straße fast keine Sonne mehr ankommt. Und das ist nicht nur in einer Straße so, ganz Manhattan sieht so aus. Die Stadt ist einfach gewaltig. Selbst als Berliner kam ich mir hier klein vor.

Das nächste was man sieht wenn man sich um schaut ist mit Sicherheit das:

In Manhattan ist zu jeder Tages- und Nachtzeit Rushhour. Es gibt nicht eine Straße, in der kein absolutes Verkehrschaos herrscht. Zu dem schlimmsten Zeiten des Tages, regeln hier immer, trotz funktionierender Ampeln, Cops vom NYPD den Verkehr. Damit überhaut noch was geht, verbieten die dann auch mal spontan das Rechts- oder Linksabbiegen an einer Kreuzung um den puren Durchsatz an Fahrzeugen zu erhöhen. Da die Straßen hier absolut rechtwinklig und gerade verlaufen, macht es auch keinen großen Sinn zu versuchen irgendwo schneller voran zu kommen. Man steht eh überall gleich im Stau.

Ich war sehr froh, dass ich mit der U-Bahn unterwegs war. Voll war die zwar auch, aber wenn man es erst mal in einen Wagon geschafft hat, dann merkt man, dass diese stark klimatisiert sind, dadurch bleibt die Luft dort drin erträglich.

Am United Nations Plaza angekommen, erwartete uns die erste Überraschung. Dass wir an eine noble Adresse geladen waren, war mir ja klar, aber dass CDS im Gebäude und auf dem Grund und Boden der Deutschen Botschaft residierte war mir neu. Wir mussten uns also durchleuchten lassen, und wurden dann in ein Gebäude geführt, das irgendwie zur Botschaft dazugehört, das sogenannte „German House“.

Das Meeting bestand aus einer kurzen Vorstellungsrunde und einer Einführung in die Regeln und Gesetze in den USA, die uns während unseres Aufenthaltes betreffen würden. Danach, ging es hinauf ins Dachrestaurant der Botschaft, um in schwindelerregender Höhe unseren Lunch einzunehmen. Die Aussicht von dort oben war schon ein echter Hingucker:

Nach dem Lunch, war das offizielle Programm beendet, und wir zogen los um New York zu erobern. Von den Vereinten Nationen, am Crysler Building vorbei führte uns unser Weg zum Rockefeller Center, der berühmten Einkaufspassage, und gleichzeitig einer der höchsten für die Öffentlichkeit zugänglichen Gebäude New Yorks. Stolze 20 Dollar kostet die Fahrt nach oben ins 68 Stockwerk. Aber das war mir dann auch egal, sie hätten so ziemlich alles verlangen können, dieser Blick ist unbezahlbar! Manhattan at its best:


(Blick nach Norden über den Central Park)


(Blick zur Südspitze Manhattans, und Empire State Building)

Dann ging es weiter zum Time Square, dem wohl berühmtesten Platz New Yorks, Ecke 42th Street / Fifth Avenue. Soviel bunte Reklame, Werbetafeln, überfüllte Geschäfte und Lärm hab ich noch nie auf einem Haufen gesehen. Aber was thront natürlich unangefochten in die Mitte des Platzes…? Ja genau, ein Rekrutierungsbüro für die Amerikanischen Streitkräfte… typisch amerikanisch halt :) .

Von dort aus mit der U-Bahn zur Südspitze von Manhattan, zur Staten Island Ferry. Die Fähre ist mit einem normalen U-Bahn Ticket quasi kostenlos nutzbar, und fährt direkt an der Freiheitsstatue vorbei, und gewährt nebenbei noch willkommene Abkühlung durch den Fahrtwind auf dem Wasser. Heute waren hier nämlich teilweise wieder über 36 Grad.


(Südspitze Manhattans von der Staten Island Fähre aus)

Nach der kurzen Erholung auf See, hatte ich mich nun innerlich darauf gefasst gemacht, den Ort des ehemaligen World Trade Centers, den sogenannten „Ground Zero“ zu besuchen. Irgendwie war mir schon etwas mulmig zu Mute, ich weiß noch wie tief an diesem Tag der Schock über die Unglaublichkeit dieser Tat war. Dementsprechend erwartete ich irgendeine Art ruhiger, würdiger Trauerstäte.
Aber nein, nicht die Amerikaner. Da war nichts. Gar nichts. Außer einer lauten, riesigen, schmutzigen Baustelle. Nicht mal eine Art Gedenktafel. Nichts, was an das was passiert ist erinnert. Hätte ich nicht gedacht, dass hier so damit umgegangen wird. Anscheinend entspricht es eher der Mentalität hier eine solche Stätte nicht zu errichten, sondern gleich den sogenannten „Freedom Tower“ zu bauen, der 2012 an der Stelle des ehemaligen World Trade Centers stehen soll.


(Ground Zero)

Danach ging es zurück zur Penn Station und gen Heimat. Nach 12 Stunden auf den Beinen sein und über 6 Stunden davon durch die Gegend rennen war ich ziemlich geschafft. Zurück im Hotel habe ich dann durch die Nachrichten erfahren, dass kurz nach unserem Zug einige nachfolgende Züge gestrichen worden waren, da das schlimme Unwetter, was zur Zeit in anderen Teilen der USA für Überschwemmungen sorgt, wohl auch eine Sturmfront in Richtung New York geschickt hatte. Gott sei Dank war es aber dann doch nicht so schlimm wie befürchtet. Ein bisschen Regen und Gewitter, aber nichts gravierendes. Nochmal Glück gehabt.

Vielleicht fahre ich nächstes Wochenende gleich nochmal nach New York, denn es gibt noch viel mehr zu sehen…