Die Reise beginnt!

29.05.

Jetzt wo es soweit ist, ist mir ziemlich mulmig zu Mute. Durch den Bürokratiemarathon der letzten 5 Wochen und dem Umzug in unsere neue Wohnung ist diese letzte Zeit in Berlin nur so an mir vorbeigerast. So richtig abgeschlossen habe ich mit dem ganzen Kram hier noch nicht, besonders da eigentlich noch so viel zu machen wäre. Aber nun ja, den Umständen entsprechend bin ich wohl so bereit wie man bereit sein kann xD.

Mein Flug geht um 11:05 Uhr ab Berlin Tegel, also eine ziemliche zivile Zeit. Meine Eltern fahren mich hin. Dank „Fast Baggage Drop“ kann ich sogar die Schlange am Schalter links liegen lassen, und direkt zur Gepäckaufgabe gehen. Dieses Feature kann man nutzen, wenn man zuvor im Internet sein Gepäck angegeben hat, und sich seine Boarding Card zu Hause selbst ausdruckt. Wie man am Nachbarschalter sehen konnte, nutzen dieses Feature aber nur sehr wenige Leute aus. Die Schlage die sich dort für einen Direktflug nach New York gebildet hatte, reichte fast um den halben Flughafenring :-) . Die folgende Passkontrolle war kein Problem, und auch mein Laptop wurde nur durchleuchtet, anmachen musste ich ihn nicht.

Mein Flug ist leider kein Direktflug, sondern geht über London Heathrow. Der Flug dorthin dauert 2 Stunden. Wir haben leichte Verspätung, so dass wir erst um 13:20 Uhr Berliner Zeit dort ankamen (das ist 12:20 Uhr Londoner Zeit). Mein Anschlussflug geht um 14:40 Uhr lokaler Zeit. Anfangs dachte ich ja fast, „hm na dann hängst du halt ne Stunde im Duty Free Bereich ab“, aber… die Karte die mir die freundliche British Airways Mitarbeiterin in Berlin bezüglich des Umsteigens in Heathrow gegeben, enthielt so seltsame Sätze wie „Allow 120 minutes travel time at Heathrow for changing terminals“. Das ließ in mir langsam aber sicher den Verdacht aufkeimen, dass dieser Flughafen wohl Ausmaße haben musste, die ich mir nur schwer vorstellen konnte…

Und so war es dann auch. Heathrow ist eine eigene Stadt. Mit eigenen Autobahnen nur für Flughafenfahrzeuge, einem riesigen Tunnelsystem, und natürlich unzählig vielen Flugzeugen. Die Laufbänder, die einem helfen auf ebener Fläche voran zu kommen, sind teilweise wirklich nötig, da man ziemliche Strecken zurücklegen muss. Außerdem läuft es sich darauf so leicht und beschwingt. Ich musste immer an die Gummibären denken und mich beherrschen nicht anzufangen zu summen *g*. Sieht wirklich lustig aus, wenn eine Kolonne wichtig aussehender Geschäftsreisender dort vor einem „entlang schwingt“ :D . Zu meinem Umstieg gehörte auch eine etwa halbstündige Fahrt mit dem Flughafenshuttle, so dass ich dann noch letzt endlich ~15 Minuten Pause hatte, bevor ich ins nächste Flugzeug steigen konnte.

(Ein kleiner Teil eines Flügels, eines Terminals von Heathrow, der Heimatbasis von British Airways.)

Der Flieger nach New York war schon ein etwas anderes Kaliber als der kleine Hopper mit dem ich nach London geflogen bin. 9 Sitze in einer Reihe, 2 Gänge, und verdammt lang. Dank Internet Buchung hatte ich mir einen Platz am Notausgang gesichert, und war nun in freudiger Erwartung auf reichlich Beinfreiheit, und somit einen entspannten Flug. Doch da erwartete mich leider die erste Enttäuschung. Zwar hatte ich den Platz in der Reihe, die ich reservierte hatte, aber leider war diese Reihe so ganz und gar nicht an einem Notausgang. Auf Nachfrage wurde mir dann mitgeteilt, dass sie in letzter Minute das Flugzeug geändert hätten, und man meinem Wunsch nach einem Platz am Notausgang deshalb nicht nachkommen könne. Hmpf. Na toll. Also Standartplatz, ganz im Economy Style mit grade soviel Beinfreiheit, dass sich ein normal großer Mensch hinsetzen kann, ohne dass seine Knie an der Lehne des Vordermanns scheuern. Tja.. bei mir sah das dann etwas anders aus :-/. Aber nur 5 Minuten später machte mein Herz einen Sprung, als ich mitbekam, dass aus irgendeinem Grund ein Mann der eigentlich erste Klasse flog, nun doch einen Platz in der Economy Klasse haben wollte. Ich weiß nicht, ob der Kerl noch ganz richtig tickte, aber das war mir auch egal, ich wollte seinen Platz =D. Aber es sollte nicht sein. Er suchte sich den Platz EINE REIHE vor mir aus, und ein kleinwüchsiger Asiate zog mit triumphierendem Lächeln in die erste Klasse um. Grrr. Nun ja, ich hab den Flug auch so überlebt, Dank DVD Unterhaltungsprogramm (was wirklich gut war) und einer überraschend netten Bewirtung (Trinken so viel man wollte, genießbares warmes Essen, Sandwiches und Snacks), und der Möglichkeit im Flugzeug spazieren zu gehen. Neben mir saßen 2 Schweizer, die Urlaub in Kanada machen wollten aber wohl nicht so gut englisch sprachen, und Schwierigkeiten mit den Zollpapieren hatten. So kamen wir ins Gespräch, und haben uns recht gut unterhalten.

Und dann war es endlich so weit. Ich war so weit von Zuhause entfernt wie noch nie zuvor. Das erste Stückchen Land, das ich von „Gods Own Country“ zu sehen bekam, war ein bemerkenswert langweiliges Stück grünes Irgendwas. Ich weiß auch nicht, was ich erwartet hatte, aber irgendwie hatte ich mir Amerika spektakulärer vorgestellt…

und ich sollte Recht behalten. Als wir tiefer gingen, und den Landeanflug auf New York begannen, gab es GANZ großes Kino. Der Anflug auf Newark führte uns einmal im langsamen Tiefflug an der Skyline von Manhattan vorbei. Die glitzernden riesigen Glasfronten der Wolkenkratzer, der Hafen, und die Freiheitsstatue. In diesem Moment wurde mir glaube ich zum ersten Mal klar, dass ich es wirklich bis hier geschafft hatte. Und das sich der Stress dafür gelohnt hatte. Die Szenerie war absolut gigantisch. Wie auf den Postern, wie in den Filmen, genau so wie ich es mir vorgestellt hatte. Über 12 Stunden Reise, 7 Stunden unbequemes Sitzen. Alles egal, ich war happy, ich war in New York!

(Hier sind wir noch in der Schleife, bei der Landung selber mußte ich das Handy dann leider ausmachen.)

Doch nun rückte auch der unausweichliche Moment näher, vor dem ich fast etwas Bammel schob. Die Einreisekontrolle der US Behörden. Die zusätzlichen Sicherheitschecks in Heathrow hatten ich und meine Daten überstanden, doch der US Zoll sollte der radikalste von allen sein. Wir wissen alle wie unsere Rechner aussehen. Ein geprüftes Image davon beim Zoll, in dem Land in dem der Großteil aller Software Hersteller ihren Gerichtsstand hat, würde mir doch Bauschmerzen bereiten. Zwar war alle Software die ich dabei hatte 100% legal, aber im Falle einer Prüfung hätte ich wahrscheinlich einige Schwierigkeiten gehabt, den Zoll von der Legalität der diversen Studentenversionen zu überzeugen. Außerdem wusste ich nicht, wie sie auf die 5 Gigabyte MP3s reagieren würden, die ich dabei hatte, von der gewaltigen Verletzung der Privatsphäre mal gar nicht zu sprechen. Ich sagte mir zwar immer wieder: „Sowas interessiert die eh nicht, mach dir nicht ins Hemd“. Aber als dann eine riesige Halle mit Abfertigungsschaltern und jeder Menge Zoll, Polizei, und teilweise auch schwerbewaffneten Sicherheitskräften in Sicht kam, wurde mir doch etwas mulmig. Als ich an der Reihe war, sah ich mich einer nuschelden, genervten Beamtin gegenüber, die sich wohl mit dem Schild an ihrem Schalter das die Aufschrift „We are the face of Amerika“ trug, nicht mehr ganz identifizieren konnte. Egal, ich setzte mein freundlichstes, strahlendstes Lächeln auf hielt ihr meine sorgfältig ausgefüllten Zollpapiere, und den Pass hin. Sie grummelte zwar ein wenig, da Interns wohl immer ein paar Stempel mehr bedeuten, aber meine Papiere waren in Ordnung, und nach erfolgreichen Fingerscans, durfte ich passieren. Auch die restlichen Zollbeamten schienen nicht im Sinn zu haben mich einer weiteren Untersuchung zu unterziehen. Am Laufband stelle ich dann fest, dass auch mein Gepäck nicht geöffnet worden war. Im Nachhinein logisch, da wenn ich ausgewählt worden wäre, sie mich wohl auch komplett durchleuchtet hätten.

Newark ist ein ziemlich kleiner Flughafen. Das Problem ist nur, deshalb gibt es glaube ich auch nur ein oder zwei Ausgänge für alle ankommenden Flüge, dementsprechend war die Halle in die ich kam überfüllt mit Leuten, die alle irgendwelche Zettel hoch hielten, auf denen Namen oder Firmen oder ähnliches standen, und ich in dem Schilderwald erstmal niemanden erkennen konnte, der auf mich warten könnte. Nach einigem Suchen habe ich ihn dann aber doch entdeckt, den freundlichen Intern Michael, der so nett war mich anzuholen. Gott sei Dank, denn jetzt noch mit dem Bus oder Zug bis Princeton mit dem ganzen Gepäck wäre hart gewesen.

Über die US 1, das ist so eine Art Schnellstraße, teilweise sogar vierspurig, aber trotzdem mit zahlreichen Ampeln, brauchten wir ungefähr eine halbe Stunde bis zum Holiday Inn, meinem Hotel. Das liegt fast direkt an der US 1. Ich war ziemlich gespannt. Und ich wurde positiv überrascht. Das Hotel ist sauber und ordentlich, und ähnelt in keiner Weise einem gewissen „Funky Hostel“, das ich ja in nicht so ganz so guter Erinnerung habe *g*. Etwas verwirrt war ich trotzdem, da mir die Frau an der Rezeption erklärte, ich würde mir das Zimmer mit jemandem teilen. Auf die Frage mit wem, und wie das in einem Einzelzimmer gehen sollte, klärte sich dann, dass es nur für eine Nacht, und zwar von Sonntag auf Montag der Fall sein würde, da dort noch ein weiterer Intern ankommt, und sie für diese Nacht kein weiteres Zimmer mehr frei haben, danach allerdings schon. Ich werde also bald Besuch bekommen, und fange am Montag nicht alleine neu an :-) . Dann bekam ich meinen Schlüssel, und war glücklich. Und auch ziemlich fertig. Nach lokaler Zeit war es ~ 20:00 Uhr, also 02:00 Uhr in Deutschland. Bevor ich ins Bett fallen konnte, war aber noch eine Sache zu erledigen. Ich wollte die Bande zu Hause wissen lassen, dass ich noch Lebe, und wollte mich gerade mit Laptop auf den Weg zur Rezeption machen um eine Email abzuschicken, als ich vor Freude fast einen Luftsprung machte, als ich feststellte, dass es auf meinem Zimmer WLAN gibt. In vernünftiger Stärke, legal und gewollt vom Hotel bereitgestellt. Perfekt. Mit diesem beruhigenden Wissen im Hinterkopf hielt mich dann nichts mehr vom wohlverdienten Schlaf ab.

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